Luftgitarren begeliten den Chorgesang Konzert: Voice´n`Noise rocken mit ihrem Gaschtchor Voices in Time die Miltenberger Grundschulturnhalle
Von sanften Balladen über jazzige Klänge bis hin zu Heavy Metal - am Samstagabend haben der Miltenberger Chor Voice´n´Noise und der Münchner Gastchor Voices in Time den zahlreiche erschienen Zuhörern mit einem Doppelkonzert ein abwechslungsreiches Programm geboten.
Die erste Hälfte des Abends gestaltete der junge Chor Voice´n´Noise unter der Leitung von Franny Rapke, die die Hälfte der Stücke selbst arrangiert hatte. Gleich beim ersten Lied setzten die Mitglieder das selbstgewählte Motto "Rock this Party" um und überraschten dank ihrer Verkleidung als Jugendgang. Mit getönten Fliegerbrillen und lässigen Outfits funktionierten sie die Bühne kurzerhand zur Tanzfläche um.
Publikum schnippt mit
Anschließend bewiesen sie mit Liedern wie "Viva la Vida", dass sie neben fetziger Partymusik auch ruhige Klänge anstimmen können. Diese Ballade versetzte mit ihren süß-sanften Harmonien das Publikum fühlbar in eine besinnliche Stimmung. Im Laufe des Abends wurden die Zuhörer jedoch sogar selbst zu Akteuren. Beim Lied "Isn´t she lovely" forderte die engagierte Dirigentin das Publikum auf, mitzumachen. Und so schnippte und sang nach kurzer Anleitung bald der ganze Saal die letzen Stophen mit dem Miltenberger Chor mit.
Selbst ärgerliche Alltagsprobleme erklärte der Chor kurzerhand zu Inspirationsquellen für humorvolle Musikstücke und sorgte damit für so manchen Lacher. So zeigten die Sänger mit dem Lied "Lieber Orangenhaut" auf amüsante Art und Weise die positiven Seiten der ungeliebten Problemzone vieler Frauen. Ausgesucht hatte das Stück die Dirigentin, die ein großer Ina Müller Fan ist.
Voller Körpereinsatz gefragt
Heilicher Höhepunkt des Abends war das Heavy-Metal-Sück "Rebellion" bei dem der Chor vollen Körpereinsatz zeigte. Da die lauten, kämperischen Töne der Stückes auf den schottischen Unabhängigskeitkrieg des Mittelalters anspielen, präsentierten sich die Herren mit Kriegsbemalung. Aber auch die restlichen Sänger lebten mit Headbanging und Luftgitarreneinlagen das Gefühl des Heavy Metals vor. Für ihre mitreißende Leistung wurden die Chormitglieder, die offensichtlich mit viel Herzblut bei der Sache waren, mit donnerndem Applaus belohnt.
Nach der Pause bewies dann der Münchner Rock und Jazz Chor Voices in Time unter der Leitung von Stefan Kalmer mit einer perfekten Darbietung, dass er zu Recht zu den europäischen Spitzenchören des Genres gehört. Mit philosophisch anspruchsvoller Kost wie "Die gedanken sind frei" oder "Dieser Weg" von Xavier Naidoo begannen die Münchner ihren Konzertteil.
Internationales Flair
Für nachdenkliche Anwandlungen blieb den Zuhörern aber nicht viel Zeit, da im Anschluss lockere Swing- und Jazzstücke folgten, zum Beispiel von Künstlern wie Annet Louisan oder Reger Cicero. Internationales Flair schufen die Sänger unter anderem mit dem französichen Stück "Ella, elle l´a" und dem Abschlusslied "Father figure" von George Michael. Insgesamt beeindruckten der Chor und seine drei Solokünstlern durch eine musikalisch fehlerfreie Leistung das Publikum.
Während der Auftriff des Münchner Chors fast schon zu professionell wirkte, punktete Voice´n´Noise mit seiner ungezwungenen, natürlichen Art und der spürbaren Begeisterun für die Musik. Übrigens: Voice´n´Noise sucht aktuell noch "junge, groovende Bässe", die sich bei den nächsten Auftritten unterstützen wollen.
Julie Hofmann
Gesangliche und lautmalerische Raffinesse dynamisch präsentiert
Konzert: Rock-Pop-Chor »Voice’n’Noise« begeistert das Publikum im Alten Rathaus der Kreisstadt
Miltenberg - Weitere Sänger werden gesucht
Miltenberg »Bow, bow!« schallt es am Sonntag aus 28 Kehlen der jungen Sänger des Rock-Pop-Chors
Voice’n’Noise. Die Interpretation des Songs »It’s My Life« von Jon Bon Jovi ist die musikalische Klammer des
Abends. Wie üblich bei schlechtem Wetter fand das Burgkonzert von Voice’n’Noise im Alten Rathaus statt.
Der Rock-Pop-Chor »Voice’n’Noise« hat am Sonntag das Publikum im Alten Rathaus der Kreisstadt begeistert.
Foto: Marc Heinz
Der junge Chor, allen voran Chorleiterin Franny Rapke, versprühte gleich zu Beginn derart Energie, dass jeder
Anflug einer Erkältung oder schlechten Laune schnell verflogen war. Die Chormitglieder sind gerade erst von
einer großen Tournee über Berlin, Frankreich zurückgekehrt.
Doch nicht nur die Zuhörer im übervollen Rathaussaal wurden mit gesanglichen und lautmalerischen
Raffinessen überrascht, auch der Chor selbst sah sich immer wieder mit neuen Ideen der quirligen Chorleiterin
konfrontiert. Von einem Vocal Jazz Workshop des Deutschen Musikrats hat sie erst kürzlich das Experiment
mitgebracht, einen gefühlvollen Song ohne Dirigenten zu erarbeiten und ausschließlich auf die Stimme des
Nachbarn zu achten. Das Experiment ist geglückt - Familienangehörige und Gäste im Saal schlossen ihre
Augen. Rapke nutzte die Gelegenheit einer überleitenden Moderation, um darauf hinzuweisen, dass dem Chor
momentan zwei Stimmlagen fehlen: junge Bässe und hohe Soprane. »Es ist nicht so, dass es gar keinen Platz
mehr bei uns gibt«, sagt sie schmunzelnd. »Und wer denkt, er oder sie schafft das konditionell nicht ganz, dem
bringe ich die Dynamik schon bei.« Sie freue sich jedenfalls auf zahlreiche E-Mails und das eine oder andere
Vorsingen.
Anrüchige Mehrdeutigkeiten
Die sympathische Chorleiterin, die seit Februar vergangenen Jahres auch den Jazzchor Würzburg leitet, hat die
Stimmgabel zeitweise an Tobias Hullin, einen Studienkollegen im Fach Schulmusik an der Hochschule für
Musik in Würzburg, abgegeben und sich mit auf die Bühne gestellt. Ein bemerkenswerter Beitrag war ein Song,
den ausschließlich junge Frauen performten. In der fast wörtlichen Übersetzung von »I’m so excited« von den
Pointers Sisters wimmelt es nur so von anrüchigen Details und Mehrdeutigkeiten. Die Mädels fauchten,
fuchtelten, kratzten und miauten wie Katzen.
Auch der perfekte Einsatz der Männer ließ nicht lange auf sich warten, denn mit dem Stück »Choreographie«
griffen sie tief in die angebliche Trickkiste der schlechten Castingbands. Sie zeigten eindrucksvoll, wie man mit
üblen Tanzschritten und nackten Bäuchen von gesanglichen Defiziten ablenken kann. Im Wechsel sangen
verschiedene Akteure des Chors die jeweiligen Lieder an und hatten dazu meist auch eine unterhaltsame Story
parat. Spätestens bei »Rock This Party« hielt es niemanden mehr auf dem Sitz. »So einfach kommt man zu
Standing Ovations«, scherzt Rapke und lässt das Publikum weitersingen, wenn sie nicht weiß, wie sie mit dem
Chor aus der Ballade »Easy« rauskommen soll, die eigentlich nur zum »Runterkommen« gedacht war. Marc
Heinz
Charmamt und kreativ improvisiert
26.03.2011
Charmamt und kreativ improvisiert
Doppelkonzert: Miltenberger Chor Voice n Noise und die A-Capella-Größe
Maybebop begeistern Publikum in der Bürgstadter Mittelmühle
Ein wundervolles Konzert hat der Miltenberger Chor Voice n Noise am Samstag in der Bürgstadter Mittelmühle gegeben, gefolgt von einem grandiosen Auftritt der Gruppe Maybebop. 600 Gäste wollten sich das Doppelkonzert nicht entgehen lassen, für das sich die Miltenberger ein Jahr vorbereitet haben.
Die lange und intensive Vorbereitung hat sich
gelohnt: Der Chor Voice?n?Noise der Melomania Miltenberg begeisterte die volle Bürgstadter Mittelmühle mit Charme und Kreativität.
Voice?n?Noise, Sprössling der Miltenberger
Melomania, hat sich längst einen hervorragenden Namen ersungen. Adrett in schwarz-weiß gekleidet, starteten sie mit »Wannabe« von den Spice Girls. Schon hier gab es viele Markenzeichen zu erkennen, die Voice?n?Noise so besonders machen
- zum Beispiel tolle Stimmführung und
Wechselgesang. Die fröhliche Ausrichtung des Hits wurde gekonnt transportiert.»I Set My Sail » begann ruhig in mittleren Tonlagen, ging rasch in eine epische Nummer über, bei der getragene Abschnitte sich mit rhythmischen abwechselten. Annie Lennox und David Allan Stewart wären
stolz auf Voice?n?Noise, könnten sie deren Interpretation ihres Klassikers »Sweet Dreams« lauschen. Die markante Synthesizer-Linie des
Songs wurde lautmalerisch umgesetzt, während mehrere Steigerungen in einem großen Finale gipfelten.Viele Überraschungen
Dass der Chor immer wieder für Überraschungen gut ist, wurde in zwei humorvollen Zwischenspielen deutlich: Mit viel Gestik und choreographisch sauberen Tanzeinlagen untermalt gab es einen Vortrag der Männer. Die Damen hatten mit »Ich bin so aufgeregt« eine eingedeutschte Version des Klassikers der Pointers Sisters im Repertoire, die charmant und witzig zugleich war. Auch hier wurde zusätzlich viel mit Zeichensprache gearbeitet.Melancholisch wurde es bei Coldplays »Viva la vida« mit seiner Kernaussage, jede Minute bewusst zu leben. Die Chorversion hatte
majestätische Passagen und nachdenkliche Momente und vermittelte Mut.Der Voice?n?Noise gab gerne die geforderte Zugabe. Er bewies eindrucksvoll, dass er Liedern jeglicher Couleur ihren eigenen
Charakter geben kann, ohne den Wiedererkennungswert zu schmälern.
Danach zeigte das Quartett Maybebop, wie sich Professionalität und Spaß toll Einklang bringen lassen. Die international erfolgreiche
Gruppe verfügt über ein Potenzial im A-Capella Bereich, das Formationen wie Die Prinzen fast schon alt aussehen lässt. Die Sänger Oliver Gies, Lukas Teske, Sebastian Schröder und Jan Bürger
präsentierten Comedy, Gesang und Show, letzteres bis auf Licht und Sound ganz ohne zusätzliche Elemente. Ob »Kung Fu Fighting« (Carl Douglas) oder »Barbie Girl« von Aqua - egal was die vier sangen, sie schafften es mit Lautmalereien und Text in spielerischer Leichtigkeit, eine komplette Band zu ersetzen. Zwar wurde mit allerhand tontechnischen Tricks gearbeitet, aber das Ergebnis sprach für sich.Lieder neu kreiert
Dabei bezogen sie das Publikum in großem Maße in die Show ein. So durften zwei Gäste bei einer musikalischen Quizshow mitspielen.
Bekannte Lieder wurden in der Melodie eines anderen Liedes gesungen. Wann gibt es schon mal »Muss i denn zum Städtele hinaus« mit den
Phrasierungen von »Wenn ich ein Vöglein wär«?
»Wir haben festgestellt, dass wir zu wenig Stücke haben - jetzt seid ihr gefragt«, forderten die Künstler schließlich zum Liedermachen auf.
Das Publikum gab Stichwörter wie »Schuhe«, »Elmar der Elefant« oder »Butterbrot mit Salz« und schließlich ein Musikgenre. »Reggae« hieß es
aus dem Publikum in der Mittelmühle. Während einer der Sänger einen Text aus den genannten Themen improvisierte, sorgten die anderen drei
für das stilistische Fundament. Es gab noch Spontanlieder unter anderem mit »Farmer« und »Tupperware« als Metal- und Rapsong. Vor
Lachen bog sich das Publikum, als die vier Sänger ratlos waren, was denn »Presssack« sei.
Die vehement geforderte Zugabe ließ nicht lange auf sich warten. Bei so viel Spaß wurde fast übersehen, was für erstklassige Sänger die
Maybebop-Künstler sind. Die allerletzte Zugabe gaben sie zusammen mit Voice?n?Noise.
Der Abend wird den Zuhörern sicher lange in Erinnerung bleiben - bot er doch zwei Konzerte, die jeweils alleine schon mehr als gelungen
waren.
Marco Burgemeister
Keiner tanzt weniger als Franny
18.02. - 20.02.2011
Keiner tanzt weniger als Franny
Probewochenende: Der junge Chor Voice’n’Noise bereitet sich auf sein Konzert mit Maybebop am 26. März vor
Eschau-Hobbach/Miltenberg
Sie sind so verdammt cool. Aber das sollen sie auch sein. Zumindest bei »Rock this Party«. Der Miltenberger Chor Voice’n’Noise hat sich am Wochenende intensiv auf sein Konzert am 26. März vorbereitet. Dazu haben sich die jungen Sänger von Dirigentin Franny Rapke Unterstützung geholt: Zweimal im Jahr treffen sich die Hobbysänger zu einem Probewochenende. Diesmal stand im Landschulheim in Hobbach die Vorbereitung auf das Konzert im Mittelpunkt. Am 26. März steht Voice’n’Noise zusammen mit dem A-cappella-Ensemble Maybebop auf der Bühne in der Bürgstadter Mittelmühle. In einem Projekt bietet Maybebop Chören Workshops an, verbunden mit einem gemeinsamen Konzert. Bei der Vorbereitung spielen Bühnenpräsenz und Bewegung eine große Rolle.
Es ist Sonntagmorgen, viertel nach neun, als Antje Gröbing im Schullandheim das Warm-up anleitet. Schulterkreisen, Kiefer lösen, Wirbel für Wirbel zusammensacken und wieder aufrichten - 20 Minuten lang wird der Körper stimuliert. Wichtig: »Die Bewegung der Atmung anpassen, nicht umgekehrt«, sagt Antje Gröbing. Die Aufwärmübungen tun gut. Für einige war die Nacht ziemlich kurz. Die Geselligkeit kommt bei so einem Wochenende schließlich auch nicht zu kurz. Die jungen Sänger, deren Altersdurchschnitt gerade mal bei 24 Jahren liegt, kommen aus verschiedenen Orten im südlichen Landkreis Miltenberg. »Wir wollen auch menschlich weiter zusammen wachsen«, sagt die Chorleiterin und schmunzelt. Priorität: Spaß haben. Trotzdem ist so ein Wochenende anstrengend. Von Freitagabend bis Sonntagmittag an Stimme, Ausstrahlung und Bewegung arbeiten -das schlaucht. »Nach so einem Wochenende geht keiner ohne Blessuren nach Hause«, weiß Franny Rapke. Auch stimmlich seien die Sänger dann ziemlich im Eimer. »Das dauert bis zu drei Wochen, bis die Stimme wieder vollständig da ist.« Deshalb liegt das Probewochenende auch einige Zeit vor dem Konzert mit Maybebop.
Beim Einsingen hat die Chorleiterin wieder das Sagen. Es dauert nicht lange, bis aus den einfachen Tonleiter-Übungen Melodien werden. Nach wenigen Minuten wird mit den Fingern geschnippt, es kommt Bewegung in die Gruppe. Die Sänger sind wach. Noch einmal sollen sie alles rauslassen, dann weiß Franny Rapke: »Ok, die Stimme ist jetzt komplett da.« »Rock this Party« steht auf dem Programm. Jetzt darf die Sportlehrerin ran. Sie hat das Lied einige Male gehört, sich Gedanken gemacht und inzwischen einen Katalog von Bewegungen im Kopf, erklärt sie. Eine feste Choreographie habe sie bewusst nicht aufgesetzt. »Ich will erst einmal sehen, wie der Chor das umsetzt. Dann wollen wir gemeinsam Bewegung reinbringen.« Zum ersten Mal veranstaltet der Miltenberger Chor ein Konzert für rund 500 Zuhörer. Vor so großem Publikum ist wohl noch keiner der rund 35 Sänger aufgetreten.
Einstudierte Choreographien gab es bislang nicht. Für ein oder zwei Lieder sollen die Bewegungen synchron werden. »Ansonsten bleibt der normale Voice’n’Noise-Freestyle«, betont Franny Rapke. Es gab nur eine Regel und an die haben sich alle gehalten: Keiner tanzt weniger als die Chorleiterin! Als Einstiegsszene für »Rock this Party« stellt sich Antje Gröbing eine ruhige Szene vor: Der Chor lümmelt am Boden. »Stellt Euch vor, ihr hängt im Park ab und dann kommt jemand auf die Idee, zu singen«, erklärt die Sportlehrerin. Bei »Get up, get up« animieren sie sich gegenseitig zum aufzustehen. Dance, Move, Shake -für diese Wörter hat sich Antje Gröbing drei Bewegungen überlegt. Schnell wird klar: Heute ist die Hüfte der Mädels und Jungs gefordert. Aber: »Lasst es nicht so lateinamerikanisch aussehen, sondern lässig und cool.« Hip-Hop-Style eben. Damit haben die Sänger kein Problem. Nur zwei, drei Durchgänge und der erste Teil sitzt. DieChoreographie wird eher entwickelt als einstudiert. Immer wieder beratschlagen sich die beiden Frauen, die Sänger bringen ihre Ideen ein. Auch wenn die Anweisungen manchmal abstrakt klingen (»Ihr könntet ja ein bisschen rumsexen.«) wissen die Musiker, was zu tun ist. Nach zwei Stunden ist eine Choreographie entstanden, die eine eigene kleine Geschichte erzählt. Antje Gröbing ist begeistert: »Ihr seid so verdammt cool!« Anja Mayer
Karten für das Konzert mit Maybebop am Samstag, 26. März, 20 Uhr in der Mittelmühle Bürgstadt gibt es für 18 Euro im Vorverkauf (Abendkasse 22 Euro) im Internet unter www.voicen-noise.de, unter Tel. 0 93 71 / 9 48 71 33 oder bei der Sparkasse Miltenberg in der Mainstraße 15.
Klassiker in neuem Glanz
11.12.2010
Klassiker in neuem Glanz
Adventskonzert: Miltenberger Chor Voice’n’Noise präsentiert bekanntes Material in eigener Interpretation
Miltenberg Die Sänger des jungen Miltenberger Chors Voice'n'Noise wären nicht sie selbst, wenn sie nicht auch Institutionen wie Adventskonzerte der Stadt Miltenberg mit ordentlich Pepp versehen und dort viel frischen Wind einbringen würden. Davon konnten sich die Besucher des Konzerts am Samstagabend im Alten Rathaus in Miltenberg vom ersten Ton an bis zum Ausklang der Zugabe überzeugen.
Auch bei ihren Nicht-Weihnachtskonzerten dafür bekannt, traditionellen Stücken ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken, konnte der Chor mit auffällig anders gestalteten, aber dafür um so interessanteren Weihnachtsklassikern punkten. »Glory to God« beispielsweise wies immer wieder Abschnitte auf, bei denen gar einzelne Stimmgruppen aus dem Gesamtchor heraustraten und in erhabener, eleganter Manier für ein Wechselbad der Gefühle sorgten: mal mit Power, mal sehr zurückhaltend.
Interessante Effekte
Als besonders gelungen entpuppte sich auch der Einstieg in »Alle Jahre wieder«, der mit geschickten Lautmalereien Stimmung verbreitete. Hier spielte der Chor seine Fähigkeiten aus, Textzeilen, wie zum Beispiel »kommt das Christkind« wurden durch eine versetzte, fast wie ein Echo wirkende Dopplung der Worte »das« und »Christkind« von einer eigenen Fraktion der Akteure auf der Bühne erwidert. Ansonsten, und auch so etwas kann neuen Schwung bringen, wirkte das Lied viel langsamer als im Original - zumindest im Vergleich zu den Versionen, die üblicherweise zu hören sind. Ebenfalls mit Wiederholungen gespielt wurde bei »Leise rieselt der Schnee«. Die Nummer wurde mit einem sehr leisen Schlussteil versehen, welcher vor allem
nach der engagierten Darbietung zuvor unerwartet besinnlich daherkam. Mit einer insgesamt bunten Mischung aus deutsch- und englischsprachigen Songs, wie »Winter Wonderland«, »Stern über Bethlehem« oder »Modern Man« wurde das Konzert eine runde Sache. Aber das war längst nicht alles, was dem Publikum geboten wurde: Nicht nur mit Chor-, sondern auch mit Solodarbietungen konnten Voice'n'Noise überzeugen.
So sang zum Beispiel Peter Liefeith alleine das Stück »Warum sind wir hier«, das zunächst einmal gar kein Weihnachtslied ist. Allerdings, so wurde deutlich, ist der Text, der sich um die »Sinnfrage« dreht, durchaus oder gerade auch in dieser Jahreszeit berechtigt - nicht jeder Mensch ist glücklich an Weihnachten. Solche, bisweilen auch leicht provokativen Lyrics in so einem Konzert wird sicher der eine oder andere Zuhörer so nicht erwartet haben, trotzdem fügte sich die Nummer gut ins Gesamtkonzept ein.
Gelungene Kontraste
Ein gelungener Kontrast zu den fröhlich und beswingten Interpretationen, wie die Darbietung von »Santa Claus« war es allemal. Darüber hinaus hatten Voice'n'Noise noch viel mehr als nur Musik und Gesang im Repertoire: Zwischen den Stücken gab
es Gedichte, Texte und Gedanken rund um die besinnliche Zeit, die aber nicht nur besinnlich waren: Nachdenklich, lustig, informativ und sogar eine Prise schwarzer Humor. Vor allem die Geschichte vom »Wettrüsten« in der Nachbarschaft um die beeindruckendste Weihnachtsdeko- und Beleuchtung rund ums und im Haus sorgte für viele Lacher. Sowohl mit der Musik als auch mit den Wortbeiträgen haben Voice'n'Noise bewiesen,
dass man Tradition und Moderne, getragene Eleganz und Schwung auch im Chorgesang und bei Adventsveranstaltungen vereinen kann. Dafür, dass dies bei den Liedern trotz aller Eigeninterpretation stets mit Respekt geschah, gebührt dem Chor
selbiger.
Marco Burgemeister